Kulturland Westfalen: Verantwortung für unser kulturelles Erbe übernehmen!

Rund 350 Kulturschaffende, Museen, Vereine und andere Netzwerke sowie Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung haben sich am 27. Oktober 2016 zur sechsten Westfälischen Kulturkonferenz im LWL-Industriemuseum TextilWerk Bocholt getroffen. Unter dem Motto „Kulturland Westfalen: Verantwortung für unser kulturelles Erbe übernehmen“ diskutierten die Teilnehmenden aus ganz Westfalen-Lippe über Strategien und Akteure zur Zukunftssicherung des materiellen Kulturerbes in der Region.


Der Film über die Westfälische Kulturkonferenz 2016



Bildergalerie

Fotos: LWL/Stefan Althaus

Willkommen zur 6. Westfälischen Kulturkonferenz 2016
Eingang zum TextilWerk Bocholt
Plenum im Drosselsaal
Dr. Barbara Rüschoff-Thale, LWL-Kulturdezernentin
Prof. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Moderator Guido Froese
Förderer und Repräsentanten mit dem Hauptredner und dem Moderator
Die Vertreter der neun Foren bei der Kurzvorstellung im Plenum
Die Impulsgeber, Referenten und Moderatoren der neun Foren
Forum 1
Forum 2
Forum 3
Forum 4
Forum 5
Forum 6
Forum 7
Forum 8
Forum 9
NRW-Kultuministerin Christina Kampmann
Christina Kampmann und Guido Froese
Dr. Barbara Rüschoff-Thale überreicht der Ministerin die Publikation über die Kulturkonferenz 2011-2015
Die MenuettManufaktur spielt Barock up Platt
Steinmetzin Claudia Urban, Ehemalige der Jugendbauhütte Westfalen
Übergabe des LWL-Logos in Sandstein an die LWL-Kulturdezernentin
Teilnehmende im Freiwilligen Sozialen Jahr in der Denkmalpflege der Jugendbauhütte Westfalen
Im Gespräch
Materielles Kulturerbe: das TextilWerk Bocholt
Steinskulpturen der Jugendbauhütte Westfalen

Bericht

Thematischer Schwerpunkt: materielles Kulturerbe

Etwa 700 Museen, Gedenkstätten und öffentlich zugängliche Sammlungen mit Millionen von Objekten gibt es in Westfalen-Lippe. Darüber hinaus speichern rund 450 Archive überliefertes Wissen auch für zukünftige Generationen. Von den ungezählten Denkmälern unter und über der Erde haben die Städte und Gemeinden hierzulande rund 37.000 unter Schutz gestellt. All dies ist Ausdruck und Zeugnis unserer gestalteten Lebenswelt – und eine Grundlage unserer kulturellen Identität.

Auf dem Weg in die globale und digitale Gesellschaft thematisierte die sechste Westfälische Kulturkonferenz die Zukunft dieses Kulturerbes. Angesichts des rasanten Wandels unserer Gesellschaft stellen sich viele Fragen neu: Warum und wozu sammeln und erhalten wir? Wer entscheidet, was relevant ist? Welche zukunftsfähigen Strategien gibt es? Und wer sind die Akteure von morgen?

Die sechste Westfälische Kulturkonferenz wurde moderiert von Guido Froese, dem Geschäftsführer des Nordkollegs Rendburg.

Begrüßung

In seiner Begrüßung erläuterte Dieter Gebhard, Vorsitzender der LWL-Landschaftsversammlung, die Motivation für die Schwerpunktsetzung der Konferenz. Vor dem Hintergrund des rasanten gesellschaftlichen Wandels stellten sich viele Fragen zum kulturellen Erbe neu. Der Konsens darüber, was zu gemeinsam wertgeschätzter Kunst und Kultur gehört, sei nicht statisch, sondern müsse immer wieder neu verhandelt werden. Gerade in unserer Zeit, mit Blick zum Beispiel auf die Zuwanderung, sei die Vergewisserung über konsensual geteilte Werte eine wichtige Voraussetzung für gutes und friedliches Zusammenleben.

Längst habe sich gezeigt, dass es mehr ressortübergreifender Zusammenarbeit bedürfe, um eine zukunftsfeste Gesamtstrategie zu entwickeln, denn besonders die Kulturpolitik sei Gemeinwesenpolitik. In die strategische Kulturpolitik seien auch die Kulturschaffenden mit ihrem Erfahrungswissen selbst einzubinden und für diese Art von Austausch und Konsensbildung sei die Westfälische Kulturkonferenz als gemeinsame Plattform geschaffen worden. Den Diskurs über den verantwortungsvollen Umgang mit dem materiellen Kulturerbe wolle man mit dieser Konferenz auf eine neue Basis stellen und neue Impulse geben.

Den Link zum Herunterladen der Rede finden Sie oben unter "Dokumentation".

Dr. Kai Zwicker, Landrat des Kreises Borken, freute sich in seinem Grußwort, dass die Konferenz im TextilWerk in Bocholt stattfinde. Das TextilWerk sei wichtiger Teil des Projekts „Kubaai“ (Kulturquartier Bocholter Aa und Industriestraße). Das 25 Hektar große ehemalige Industriegelände mitten in Bocholt werde im Rahmen der Regionale 2016 zu einem Quartier für urbanes Wohnen, Kultur und Gewerbe mitten in der größten Stadt des Kreises Borken entwickelt.

Wert und Bedeutung des kulturellen Erbes in der Welt von heute

Hauptredner am Vormittag war Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Ausgehend von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der größten Gedächtnisinstitution in Deutschland mit ihren sowohl länder- als auch spartenübergreifenden Sammlungen, führte er aus, von welch enormer Bedeutung die Bewahrung und die Pflege des kulturellen Erbes für die Zukunftsfähigkeit unseres Gemeinwesens sind. Er plädierte dafür, das Kulturerbe stärker nutzbar zu machen und  thematisierte dafür vier Dimensionen, vom ökonomischen Nutzen über die sozialgesellschaftliche Bedeutung bis zum politischen Nutzen und der internationalen Verantwortung.

Parzinger fächerte ein breites Spektrum der unterschiedlichsten Aspekte mit vielen aktuellen Bezügen zum Weltgeschehen auf. So verwies er im Zusammenhang mit dem ökonomischen Nutzen darauf, dass ein Viertel der Bautätigkeit in Europa durch das kulturelle Erbe begründet sei. Einen breiten Raum widmete er den Narrativen von Museen und der kulturellen Bildung. Im Pergamonmuseum zum Beispiel könnten die Besucher verstehen, dass der Islam nicht etwas Neues ist, sondern dass wir alle Teil einer „mediterranen Erzählung“ sind; in einem internationalen Ausstellungsprojekt werde die enge Verflechtung von Christentum, Islam und Judentum dargestellt. Indem Museen und andere Gedächtnisinstitutionen dies immer wieder erzählten, können sie zur Bestärkung des Zusammenhalts in der Gesellschaft beitragen. Auch in vielen Projekten mit Flüchtlingen gehe es im Endeffekt immer darum, die eigene Geschichte in den Kontext der Weltgeschichte zu stellen.

Bei der Digitalisierung sollte es darum gehen, dass kulturelle Erbe für jeden Menschen überall auf der Welt und kostenlos zugänglich zu machen.

Den politischen Nutzen und die internationale Dimension des Kulturerbes thematisierte Prof. Parzinger vor dem Hintergrund der aktuellen Krisen in Europa und anderen Teilen der Welt. Eindrücklich schilderte er etwa, wie junge Leute in Syrien unter Einsatz ihres Lebens ihr Kulturerbe schützten. Hier stellte er besonders die Chancen, aber auch die daraus erwachsende Verantwortung für das gemeinsame Kulturerbe dar.

Zum Schluss machte Prof. Parzinger allen Teilnehmenden Mut und stimmte sie auf das weitere Konferenzprogramm ein. Er erinnerte daran, dass Museen, Bibliotheken und Archive in Deutschland enorm erfolgreich seien, wie die steigenden Besucherzahlen belegen. In Museen gingen mehr Menschen als in Fußballstadien. Mit dem Pfund des Kulturerbes lohne es sich zu wuchern und zu arbeiten. Gedächtnisinstitutionen seien nicht vorrangig Orte der Kontemplation, sondern sie müssten sich immer wieder fragen, wie sie ihren gesellschaftlichen Beitrag verbessern könnten. Sie sollten soziale Laboratorien sein. Nicht nur in Berlin, sondern überall öffneten sich Museen in die Gesellschaft, in den Stadtraum, um die Gesellschaft zu erreichen. Das sei deshalb so wichtig, so Parzingers Botschaft, weil Wissen und Bildung die Basis für Respekt und Toleranz seien und damit auch für ein friedliches Zusammenleben.

Hinweis: Den Link zum Herunterladen des Vortrages finden Sie oben unter "Dokumentation". 

Herausforderungen für die Kultur in Westfalen-Lippe

Dr. Barbara Rüschoff-Thale, die Kulturdezernentin des LWL, schlug danach den Bogen nach Westfalen-Lippe. In ihrem Vortrag „Zukünftige Herausforderungen für die Kultur in Westfalen-Lippe“ erläuterte sie die aus ihrer Sicht drei wichtigsten Themenkomplexe für die Sicherung des materiellen Kulturerbes: die Bau- und Bodendenkmäler, die Museen, Sammlungen und Archive und schließlich die Finanzen.

Die Denkmalpflege habe unberechtigterweise ein schlechtes Image, daran müsse man im Dialog arbeiten. Denn schließlich seien die Denkmäler mit ihrer Einbindung in den städtebaulichen Kontext die unmittelbarste, uns täglich umgebende Form der Geschichte. Sie appellierte an das Land NRW, den sogenannten verlorenen Zuschuss wieder einzuführen.

Unter dem Schlagwort „Museen neu denken“ rief sie dazu auf, die Museen weiter dialogisch zu entwickeln und sie für alle Menschen zu öffnen. Dabei sah sie die hohe Zahl der Museen in Westfalen-Lippe – aktuell 689 Museen, Sammlungen und Heimatstuben – durchaus kritisch. Sie halte es nicht für sinnvoll, alles zu erhalten, denn wer alles erhalte, habe keinen Raum für Neues.

Die Digitalisierung sollte noch viel mehr als Kommunikationsmittel eingesetzt werden, um neue Zielgruppen, vor allem junge Menschen, durch die Sozialen Medien zu erreichen. Doch hätten die wenigsten Museen die dafür notwendigen Ressourcen. Hier könnten Netzwerke helfen, in denen sich zum Beispiel thematisch zusammengehörige Museen verbinden, und nannte als Beispiel die Industriemuseen des LWL mit einer zentralen Öffentlichkeitsarbeit. Nur wenn Museen sich zusammenschließen, könnten sie ihrer Meinung nach auch in Zukunft qualitätvolle und attraktive Angebote machen, die den gestiegenen Ansprüchen der Besucher genügen. Das alles bedürfe aber auch ausreichender finanzieller Mittel. Das Gleiche gelte für Sammlungen und Archive. Hier seien Schwerpunktbildungen nötig: Man brauche gemeinsame Sammlungskonzepte, interkommunale Depotlösungen und den Mut zum Entsammeln. All das könne aber nur auf den Weg gebracht werden und funktionieren, wenn die Akteure ihre Einstellungen ändern und Kirchturmdenken überwinden.

Zum Schluss stellte die Kulturdezernentin aktuelle Haushaltszahlen und die jeweiligen Anteile der Ausgaben für Kunst und Kultur des LWL, des Landes NRW und von Städten und Gemeinden in NRW vor. Sie zeigte, dass alle öffentlichen Haushalte insgesamt stetig wachsen – allerdings nicht die anteiligen Kulturbudgets. Und das, obwohl der Kulturbereich in den letzten Jahren viele Aufgaben dazubekommen habe. Dem LWL gelinge es nur durch die massive Einwerbung von Drittmitteln, steigende Ausgaben zu finanzieren. Allerdings würden von dieser Strategie, und das gelte über den LWL hinaus, nur die Einrichtungen profitieren, die hochwertige Angebote machen und zukunftsorientiert gestaltet sind.

Neun Foren

Im Anschluss an die einführenden Vorträge verteilten sich die Teilnehmenden in neun Foren und diskutierten die verschiedenen aufgeworfenen Fragen und Herausforderungen in den drei großen Handlungsfeldern Objekte/Gedächtnisinstitutionen (Foren 1 bis 3), Gebäude (Foren 4 bis 6) und Menschen (Forum 7-9).

Forum 1: Qualifizieren durch Vernetzen. Eine neue Chance für das Sammeln?
Das Forum 1 diskutierte über neue Chancen für das Sammeln durch digitale Vernetzung und fasste seine Ergebnisse plakativ in der Forderung zusammen „Nieder mit den Standards!“ Das bedeutet eine Datenbank als Informationsbasis, die das Entsammeln und das konzentrierte Sammeln ermöglicht. Damit eine solche für alle Beteiligten nutzbar ist, müssten die Standards bei der Erfassung von Objekten relativ niedrig sein. Eine solche so genannte „Downsizing-Strategie“ wisse darum, dass eine Datenbank nicht alles umfassen kann. Sie könnte aber den Austausch von Objekten um ein Vielfaches vereinfachen. Sammeln bedeute heute auch, immaterielle Wissensspeicher aufzubauen und Know-how zu konzentrieren und zu transferieren. Protokoll und mehr ...

Forum 2: Krisen und Konjunkturen des Sammelns: Vom Umgang mit unserer kulturellen Überlieferung
Die Teilnehmenden im Forum 2 beschäftigten sich intensiv mit dem Sammeln selbst. Die Impulsbeiträge wie auch die Diskussion zeigten, dass die meist freiwillig und ohne gesetzlichen Auftrag übernommene Aufgabe des Bewahrens von kulturellem Erbe langfristig nur möglich ist, wenn gewisse Kriterien erfüllt sind. Als essenziell für die Institutionen sahen die Teilnehmenden: Professionalität der Akteure, die kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Bestand unter der Prämisse des Nutzens, Kontinuität, Reflexion der eigenen Arbeit in einer heterogenen Gruppe zur Sicherung der eigenen Tätigkeit wie auch der Fähigkeit zur Innovation und schließlich das „Popularisieren“ der eigenen Arbeit, das heißt eine ansprechende Präsentation und Vermittlung auch in Kooperation mit anderen Institutionen. Protokoll und mehr ...

Forum 3: Gemeinsam erben, verschieden lesen: Kulturelles Erbe und Gedenkorte in einem Einwanderungsland
Im Forum 3 wurden Handlungsfelder und Strategien zur Vermittlung von materiellem kulturellem Erbe erörtert, um dieses langfristig im kulturellen Gedächtnis zu erhalten. Es bestand Einigkeit darüber, dass Voraussetzungen für den Erhalt des kulturellen Erbes die Wahrnehmung von dessen Relevanz und ein persönlicher Bezug der Erbenden zu den Objekten seien – kulturelles Erbe muss geerbt werden wollen! Daraus ergab sich eine Reihe von wichtigen Schlussfolgerungen, die wie folgt zusammengefasst wurden: Das Originalobjekt bleibt unverzichtbar, die Kommunikation und Vermittlung bedürfen einer zielgruppenspezifischen Anpassung, Fragen und Zuhören ermöglichen einen Perspektivwechsel und schaffen die Partizipation der zukünftigen Erben, welche Bedingung für den langfristigen Erhalt des kulturellen Erbes ist. Vererbt werde das Objekt, nicht der Narrativ. Protokoll und mehr ...

Forum 4: Baudenkmäler in neuem Dienst: Vom Nutzen des Umnutzens
Um das Umnutzen von Denkmälern ging es im Forum 4. Zu allen Zeiten wurden Gebäude umgebaut und danach anders genutzt. Gelungene Umnutzung gehe behutsam und reflektiert mit dem Denkmal um. Die Finanzierung sei nur in den seltensten Fällen komplett mit Eigenmitteln des Eigentümers bzw. der Eigentümerin möglich. Dabei hätten nicht nur die öffentliche Hand, sondern auch Unternehmen aus sozialen wie wirtschaftlichen Gründen Interesse am Erhalt von Denkmälern. Denn nur mit stimmigen Ortsbildern könnten Bürgerinnen und Bürger in einer Stadt gehalten werden. Insgesamt, so das Fazit im Forum, seien viel Kommunikation und Vertrauen unter den Verhandlungspartnern notwendig und wichtig. Das Suchen von Verbündeten sei eine der effektivsten Möglichkeiten, um Problemen und Frust vorzubeugen. Denn nur wenn am Ende alle zufrieden seien, sei ein Projekt ein Erfolg. Protokoll und mehr ...

Forum 5: Gebaute Geschichte erhalten und schützen
Über den Umgang mit Gebäuden, die nicht unter Schutz gestellt, gleichwohl erhaltenswert sind, diskutierte das Forum 5. Im Ergebnis wurden angepasste Standards, neue rechtliche Instrumente und eine intensivere Kommunikation und Zusammenarbeit gefordert; dazu wurden viele praktische Vorschläge erarbeitet, zum Beispiel die Erstellung von Leitfäden für Eigentümer bzw. Bauherren und Ausnahmeregelungen bzw. eine Reform der Energieeinsparverordnung. Protokoll und mehr ...

Forum 6: Zukunft der Kirchen
Das Forum 6 beschäftigte sich mit der Zukunft der Kirchen. Denn es ist zu erwarten, dass bis 2030 ein Viertel aller Kirchen in NRW schließen muss. Das Forum diskutierte über Erwartungshaltungen und Verantwortung beim Umgang  mit diesem besonders codierten kulturellen Erbe. Die Teilnehmenden waren sich darüber einig, dass Kirchengebäude alle Bewohnerinnen und Bewohner eines Ortes etwas angehen. Ihre Botschaften: mehr Transparenz und frühzeitige Kommunikation aller Beteiligten und mit der Öffentlichkeit. Protokoll und mehr ...

Forum 7: „Mal eben“ geht nicht: Kooperation ist schneller gesagt als getan
Im Forum 7 wurden drei sehr unterschiedliche Formen von Zusammenarbeit in Westfalen-Lippe vorgestellt. Alle tragen wesentlich zum Erhalt des Kulturerbes in ihrer Region bei. Die Erfahrungen der Akteure in der täglichen Arbeit decken sich mit den Ergebnissen von Studien aus anderen Regionen zu Kooperation. Einmal mehr wurde deutlich, dass das Streben oder die Forderung nach mehr Kooperation und Vernetzung schneller gesagt als getan ist. Protokoll und mehr ...

Forum 8: Kulturelles Erbe mitgestalten: Welche Rolle spielt das Ehrenamt?
Die große Rolle des Ehrenamtes auch bei der Gestaltung des kulturellen Erbes wurde im Forum 8 deutlich. Die bekannten Ansätze für gutes bürgerschaftliches Engagement wurden von den Teilnehmenden bekräftigt, zum Beispiel eine bessere Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamt, Qualifizierung, Modernisierung und Sichtbarmachung. Für den Generationswechsel müssen Wege für den Transfer von Arbeitsergebnissen und Fachwissen gefunden werden, wozu die größeren Verbände beitragen könnten. Protokoll und mehr ...

Forum 9: Junge Hände treffen auf alte Wände
Im Mittelpunkt des Forums 9 stand die Frage, wie junge Menschen dafür gewonnen werden können, sich mit ihrer Zeit und Tatkraft für das kulturelle Erbe zu engagieren. Dazu berichteten die Teilnehmenden des aktuellen Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) in der Denkmalpflege aus ihrer Arbeit. Am Ende waren sich alle einig, dass die Gewinnung junger Menschen eine wesentliche Voraussetzung für das Fortbestehen der Denkmalpflege darstelle. Das Interesse sei bei den jungen Leuten durchaus vorhanden, das Hauptaugenmerk müsse also auf das Informieren, die Bewusstseinsstärkung und die Möglichkeiten zum Engagement gelegt werden. Protokoll und mehr ...

Kulturelles Erbe 4.0

NRW-Kulturministerin Christina Kampmann freute sich über die große Resonanz auf die diesjährige Kulturkonferenz. Mit Blick auf das Europäische Kulturerbejahr, das die Europäische Kommission für 2018 ausgerufen hat, erweise sich Westfalen-Lippe als kulturpolitischer „Trendsetter“, das dem Thema Kulturerbe schon jetzt „auf der Spur sei“.

In ihrem Vortrag „Kulturelles Erbe 4.0 – Perspektive und Herausforderung der Landeskulturpolitik“ betonte sie den hohen Stellenwert, den das kulturelle Erbe für die Landesregierung habe. Im Kulturförderplan, der zurzeit die politischen Gremien durchlaufe und an dessen Mitarbeit sie dankte, sei einer der Schwerpunkte die Digitalisierung. Das Land wolle den Erhalt und die Pflege des materiellen und immateriellen kulturellen Erbes fördern und Kultureinrichtungen dabei unterstützen, Kulturgüter zu sammeln, zu bewahren und zugänglich zu machen – insbesondere auch durch digitale Möglichkeiten. Als konkrete Themen nannte sie die Behandlung des papiernen Archivgutes, zum anderen die digitale Langzeitarchivierung,  auch die von originär digitalem Bild- und Tonmaterial. Dafür sei das Digitale Archiv NRW zusammen mit den Landschaftsverbänden und den Kommunen auf den Weg gebracht worden. Und in einem Projekt sei gerade mit der Digitalisierung und Online-Präsentation der regionalen Zeitungen begonnen worden. Das Land wolle außerdem ein Kompetenznetzwerk Digitalisierung ins Leben rufen. Darin sollen sich Einrichtungen und Experten stärker vernetzen und ihr Wissen auch anderen Akteuren im Kulturbereich zugänglich machen.

Die weiteren Möglichkeiten der Digitalisierung seien aber nicht nur für den Erhalt und die Sichtbarmachung des kulturellen Erbes zu nutzen, sondern auch mit Blick auf die Zielgruppen zu eruieren: „Wenn wir uns die Frage stellen, welche Geschichte wir wie erzählen wollen, müssen wir natürlich auch darauf schauen, wem wir sie näherbringen wollen“. Nach Ansicht der Ministerin ergeben sich hier viele spannende Möglichkeiten, auch junge Menschen oder Menschen aus anderen Kulturkreisen für das kulturelle Erbe zu begeistern, zum Beispiel mit Hilfe der „Serious Games“, wie es Basel bereits vormache. Daneben gebe es viele weitere Aspekte, die das Ministerium bereits auf der Agenda habe, zum Beispiel auch die Frage nach dem Umgang mit Künstlernachlässen.

Zum Schluss kündigte die Ministerin an, dass sie die Impulse aus der heutigen Konferenz gerne in die Landeskulturpolitik trage und kündigte an, den im Zusammenhang mit dem Kulturfördergesetz intensivierten Dialog mit den Kulturschaffenden und -verantwortlichen in Nordrhein-Westfalen weiter fortsetzen zu wollen. Die nächste Veranstaltung des Landes solle zum Kulturförderplan und zum Landeskulturbericht im Frühjahr 2017 stattfinden.

Im anschließenden Gespräch der Kulturministerin mit der LWL-Kulturdezernentin wünschte sich diese, auch mit Blick auf die mit der Digitalisierung verbundenen Herausforderungen, ein besonderes Augenmerk auf die kleineren Museen zu legen. Diese bedürften größerer Unterstützung wegen ihrer begrenzten Ressourcen, gerade auch in den ländlichen Räumen. Zum anderen mache man sich große Sorgen wegen der eingestellten Denkmalförderung. Dies habe gravierende negative Auswirkungen, vor allem auf das hohe bürgerschaftliche Engagement für die Kulturlandschaft. Dies sei ein echtes Anliegen vieler Bürgerinnen und Bürger, die sich vor Ort für das kulturelle Erbe engagieren und von denen etliche an der heutigen Konferenz teilnähmen, wie in den Foren am Vormittag deutlich geworden sei.

Der Ort

Vom Konferenzort, dem Textilwerk Bocholt mit seinen historischen Gebäuden und der umfassenden Sammlung von Kleidung, textilen Mustern und Produktionsmaschinen zeigten sich ganz viele Teilnehmende begeistert. Und viele nutzten im Anschluss die Möglichkeit, bei einer der Führungen die Gebäude und Ausstellungen näher kennenzulernen.

Barock up Platt

Als künstlerischer Beitrag zur Kulturkonferenz kam in diesem Jahr ein Beispiel aus dem immateriellen Kulturerbe der Musik auf die Bühne: die Sammlung Dahlhoff aus dem 18. Jahrhundert aus Dinker, die 2012 in der deutschen Nationalbibliothek wiederentdeckt wurde. Die Menuettmanufaktur spielte Musik aus den Dahlhoff-Manuskripten, von der Königsquadrille bis zum Harlekin-Sesken. Barocke Tanzmusik aus Westfalen, einfach und ohne Schnickschnack – Barock up Platt.

Die Menuettmanufaktur mehr ...