die menuettmanufaktur spielt Musik aus den Dahlhoff-Manuskripten, von der Königsquadrillge bis zum Harlekin-Sesken. Barocke Tanzmusik aus Westfalen, einfach und ohne Schnickschnack – Barock up Platt.

Jochen Schepers (v)
Gerd Schlüter (v, hackbrett)
Marietta Schwenger (harmonium)

Barock auf Platt
Der Name Dahlhoff dürfte im westfälischen Dinker schon seit dem beginnenden 18. Jahrhundert einen guten Klang gehabt haben. Schließlich wurde in der Familie das Amt des Küsters über sechs Generationen weitergegeben. Außerdem waren die Dahlhoffs, wie für den Küster üblich, auch für den Musikunterricht im Ort, die musikalische Begleitung von Feiern und nicht zuletzt für die örtliche Tanzmusik zuständig. Da war es auch klar, dass die Dahlhoff-Kinder nicht nur lernten, die Orgel der Kirche von Dinker zu spielen, sondern auch Menuette, Polonaisen und Sesken zum Tanz zu geigen.

Als Johan Diederich Dahlhoff 1764 begann, die vielen kleinen Tanzstückchen seines Repertoires aufzuschreiben, war er bereits fünf Jahre lang Küster, wie es schon sein Vater und sein Großvater vor ihm gewesen waren. Bis 1799 sollte seine Sammlung auf zehn Bände mit je 100 bis 150 Seiten anwachsen; einige Bände enthalten eine große Zahl an Duetten, einer ist wie eine Geigenschule aufgebaut – die Dahlhoff-Kinder scheinen schon früh einen Platz im örtlichen Musikgeschehen gehabt zu haben. Und so sollten nach Johan Diederich Dahlhoff noch sein Sohn und sein Enkel in seinem Amt folgen.

Die Sammlung lagerte in der deutschen Nationalbibliothek, bis sie 2012 von dem österreichischen Musiker Simon Wascher „entdeckt“ wurde. Die Digitalisierung geschah ebenfalls auf Initiative von Wascher und war für die norddeutsche Volksmusik von großer Bedeutung. Eine regionale Sammlung von solchem Umfang war ein wahrer Fund und viele Musiker in und um Westfalen begannen bald, sich Teile der Dahlhoffschen Sammlung anzueignen.

Der größte Teil der Sammlung sind die Modetänze des Barock – Menuette, gefolgt von Polonaisen. Einige Stücke lassen europäische Einflüsse ahnen – vielleicht aus den Jahren des gerade vergangenen siebenjährigen Krieges. Im Nachbarort Vellinghausen fand im Juli 1761 eine der großen Schlachten statt – französische Truppen kämpften gegen eine preußisch-britische Allianz. Und so schrieb Johan Diederich Dahlhoff einige Jahre später nicht wenige Stücke mit französischen Titeln nieder, die er, eher lautsprachlich, ins Deutsche übertrug. „A ma bel mun köre“ (I,48), „Ah, ma belle, mon coeur“ etwa dürfte einer ländlichen Schönheit gewidmet gewesen sein; eines der Menuette hieß „la schene“, „la chaine“, die Kette, nach einer der Tanzfiguren. Ob alle diese Stücke aber nun Dahlhoffsche Eigenkompositionen sind oder nur von ihm aufgeschrieben, ist schwer zu sagen. Besonders in den ersten Heften sind auch bekanntere traditionelle Stücke gesammelt, sicherlich hat er aber auch viele eigene Stücke dazu gesetzt – als eigenes Werk gekennzeichnet ist keines der Stücke.