Stärkung und Förderung des bürgerschaftlichen Engagements
in der Kultur in Westfalen-Lippe

Das kulturelle Angebot in Westfalen-Lippe wird durch das freiwillige Engagement und die ehrenamtliche Tätigkeit von Bürger*innen mitgestaltet, ergänzt und teils vollständig getragen. Insbesondere in den ländlichen Räumen stützt sich das kulturelle Angebot maßgeblich auf das Engagement von Bürger*innen. Die Formen des bürgerschaftlichen Engagements in der Kultur sind dabei sehr vielfältig – vom Engagement in Kultur- und Heimatvereinen, Bibliotheken, ehrenamtlich getragenen Museen oder soziokulturellen Zentren bis zur Organisation von Festivals, Konzerten, Theatervorstellungen etc.

Gleichzeitig sehen sich ehrenamtlich engagierte Personen, Vereine und Initiativen – nicht nur in der Kultur – mit einer Vielzahl an Herausforderungen konfrontiert. Aus diesem Grund fördert „Kultur in Westfalen“ den Dialog mit Akteur*innen von Organisationen aus dem Bereich des bürgerschaftlichen Engagements in der Kultur. Das Ziel ist sich gemeinsam strategisch zu positionieren, um Engagement und Ehrenamt in der Kultur zu unterstützen und nachhaltig zu stärken.


Hintergrund

Die Erfahrung aus den vielen Kulturentwicklungsplanungen, die „Kultur in Westfalen“ begleitet hat, zeigt: Die Förderung von Engagement und Ehrenamt wird seit Jahren flächendeckend und kontinuierlich als ein wichtiger Baustein in der strategischen Kulturplanung der Kommunen formuliert. Ca. neun Prozent[1] der Bürger*innen in Deutschland engagieren sich im kulturellen Umfeld – sei es durch das Organisieren der Auftritte von Chören, Musikgruppen oder Amateur-Theatern, durch die Unterstützung in der Heimatpflege, das Engagement in den Freundeskreisen von Kultureinrichtungen wie Theatern, Museen, Bibliotheken oder die Tätigkeit in vollständig ehrenamtlich geführten Museen und Gedenkstätten. Insbesondere in ländlichen Räumen wird das kulturelle Angebot maßgeblich von ehrenamtlich engagierten Menschen getragen.

Gleichzeitig sieht sich das bürgerschaftliche Engagement – nicht nur in der Kultur – mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert. Viele Vereine kämpfen mit Nachwuchsproblemen. Die junge Generation von freiwillig Engagierten wünscht sich flexiblere Formen des projektbasierten Engagements. Die Engagementlandschaft ist zudem häufig wenig heterogen oder divers. Ebenfalls steigen die Anforderungen an Personen, die ein Ehrenamt oder eine freiwillige Tätigkeit übernehmen und somit auch der Bedarf an Qualifizierungs- und Professionalisierungsangeboten. Es fehlt an verlässlichen Finanzierungsstrukturen. Die Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamt setzt einen professionellen Umgang auf beiden Seiten voraus. Zuletzt setzen sich Engagierte teils mit erheblichem Zeitaufwand und Motivation für die Förderung und den Erhalt von kulturellen Angeboten ein. Anerkennung für diesen Einsatz bedeutet auch die Rahmenbedingungen für das bürgerschaftliche Engagement in der Kultur zu verbessern.

Dieser Aufgabe widmet sich „Kultur in Westfalen“. Bereits im Jahr 2012 projizierte man auf der von „Kultur in Westfalen“ veranstalteten Visionskonferenz für das Jahr 2025 folgende Vision für das bürgerschaftliche Engagement in der Kultur in Westfalen-Lippe:

„Der Stellenwert des Ehrenamtes in der Gesellschaft hat an Bedeutung gewonnen. Die Qualität und Vielfalt ehrenamtlicher Tätigkeit in der Kultur ist durch eine systematische professionelle Form der Unterstützung möglich geworden.“

Mit dem Handlungsfeld „Bürgerschaftliches Engagement“ schließt „Kultur in Westfalen“ an die Arbeit der Initiative „Ehrenamt in der Kultur“ sowie die Tagung „Freiwillige vor!“ im Jahr 2013 in Telgte an. Im Anschluss an die erfolgreiche Tagung wurde die Kooperationsgemeinschaft zu einer Gesprächsrunde strategischer Partner erweitert, dem Runden Tisch „Bürgerschaftliches Engagement in der Kultur“. Ihm gehörten Vertreter*innen unterschiedlicher Organisationen auf westfälischer und auf NRW-Ebene an, die sich für Engagement und Ehrenamt in der Kultur einsetzen. Durch Austausch über ihre Aktivitäten und Zusammenarbeit sollten Synergien geschaffen und Maßnahmen entwickelt werden, um über das bürgerschaftliche Engagement Kunst und Kultur in Westfalen-Lippe zu fördern. Aufgrund fehlender Ressourcen wurde die Arbeit des Runden Tischs jedoch im Jahr 2016 zunächst eingestellt. Seit Juli 2020 wird das Handlungsfeld innerhalb von “Kultur in Westfalen” mit neuer personeller Ausstattung wieder verfolgt.

[1] Simonson, Julia/Vogel, Claudia/Tesch-Römer, Clemens: Freiwilliges Engagement in Deutschland. Zusammenfassung zentraler Ergebnisse des Vierten Deutschen Freiwilligensurveys. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Berlin 2016, S. 29. [https://www.bmfsfj.de/blob/113702/53d7fdc57ed97e4124fffec0ef5562a1/vierter-freiwilligensurvey-monitor-data.pdf, letzter Zugriff 10. Juli 2020]


Kontakt

Dr. Anne Mollen
Wiss. Referentin für bürgerschaftliches Engagement
„Kultur in Westfalen“
LWL-Kulturabteilung
Piusallee 7
48133 Münster
Tel.: 0251 591-5081
anne.mollen@lwl.org