Westfalen - Kulturland mit Zukunft


Am 18. März 2011 fand im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern in Dortmund die erste gesamtwestfälisch-lippische Kulturkonferenz statt. Unter dem Motto „Westfalen – Kulturland mit Zukunft“ trafen sich 240 Kulturakteure aus ganz Westfalen-Lippe. Hauptrednerin war NRW-Kulturministerin Ute Schäfer.


Dokumentation

Diskurs über die kulturelle Entwicklung Westfalen-Lippes

Im kulturpolitischen Teil der Konferenz am Vormittag wurde ein Diskurs über die kulturelle Entwicklung Westfalen-Lippes begonnen, im Mittelpunkt stand die Diskussion über die Notwendigkeit einer Kulturentwicklungsplanung für die Region. Dazu wurde die "Erklärung zur Westfälischen Kulturkonferenz 2011" vorgelegt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich insgesamt einig, dass eine Kulturentwicklungsplanung eine sinnvolle und notwendige Grundlage für gemeinsames Handeln darstellt.

Erklärung zur Westfälischen Kulturkonferenz 2011 als pdf-Datei hier.

Schwerpunktthema: Literatur
Der Nachmittag war dem thematischen Schwerpunkt Literatur gewidmet. Hier wurden auch die Ergebnisse der ersten Tagung der Arbeitsgemeinschaft Literatur am 13.1.2011 in Hamm und der aktuelle Stand der Bemühungen zum Erhalt der Burg Hülshoff für die Öffentlichkeit vorgestellt.

Michael Serrer, Leiter des Literaturbüros NRW in Düsseldorf gab in seinem Vortrag "Westfalen - ein Literaturland?!" einen Einblick in die literarische Landschaft Westfalen-Lippes. Der Artikel ist jetzt in der LIT.FORM, Heft 102, 2011 veröffentlicht und steht hier zum Herunterladen bereit.

Fritz Eckenga und ein Poetry Slam mit Marian Heuser, Fabian Navarro und Micha El Goehre rundeten den Tag künstlerisch ab.

Das Protokoll steht hier zum Herunterladen bereit.


Bildergalerie


Bericht

Gesamtergebnis

240 Kulturakteure, von Kulturschaffenden über Vertreter aus Vereinen und Verbänden, Politik
und Verwaltung bis zu Förderern und Partnern, kamen zur ersten gesamtwestfälischlippischen
Kulturkonferenz nach Dortmund.
Im kulturpolitischen Teil am Vormittag stand die Diskussion über die Notwendigkeit einer
Kulturentwicklungsplanung für ganz Westfalen-Lippe im Mittelpunkt. Die Teilnehmerinnen
und Teilnehmer der Konferenz waren sich einig, dass ein Kulturentwicklungsplan für die Region
eine sinnvolle und notwendige Grundlage für gemeinsames Handeln darstellt.
Der Nachmittag war dem Schwerpunktthema Literatur gewidmet. Insbesondere wurden die
Ergebnisse der ersten Tagung der Arbeitsgemeinschaft Literatur im Projekt „Kultur in Westfalen“
und der aktuelle Stand der Bemühungen zum Erhalt der Burg Hülshoff für die Öffentlichkeit
vorgestellt.
Fritz Eckenga und ein Poetry Slam mit Marian Heuser, Fabian Navarro und Micha El Goehre
rundeten den Tag künstlerisch ab.

Die Ergebnisse im Einzelnen

Vormittag: Westfalen – Kulturland mit Zukunft

Begrüßung

Dieter Gebhard, Vorsitzender der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe und Kuratoriumsvorsitzender
der LWL-Kulturstiftung, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und
führte in die Konferenz ein. Er erläuterte kurz den Hintergrund der Zusammenkunft, ausgehend
von dem Bericht „Kunst.NRW“ aus dem Jahr 2008 bis zum Projekt „Kultur in Westfalen“,
und formulierte die Ziele des Tages: das Bewusstsein für die gemeinschaftliche Interessenlage
zu schärfen und kulturpolitische Impulse für die Zukunft zu setzen, die Region als
selbstbewusst und kulturbewusst zu präsentieren und nicht zuletzt auch den inneren Zusammenhalt
zu fördern. Er äußerte die Hoffnung, dass diese Plattform sich etabliere und zu
einem ständigen Forum für die Sache werde.
Nach ihm begrüßte Ullrich Sierau, Oberbürgermeister der Stadt Dortmund, die Teilnehmerinnen
und Teilnehmer.

Impuls

Dr. Wolfgang Kirsch, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, stellte unter dem
Titel „Gemeinsam handeln“ eine Erklärung zum gemeinsamen Handeln der Kulturakteure
und zu einem Kulturentwicklungsplan für Westfalen-Lippe vor. Er erläuterte die Chancen und
Möglichkeiten eines Kulturkonzepts für die Region als Grundlage für gemeinsames, zielgerichtetes
Handeln, mit dem Kunst und Kultur gestärkt und besser sichtbar gemacht werden
könne. Letztendlich ginge es angesichts der allgemein bekannten Rahmenbedingungen um
die grundsätzliche Ausrichtung von Kunst und Kultur in Westfalen-Lippe. Dazu soll unter dem
Dach des Projets „Kultur in Westfalen“ nun eine Arbeitsgruppe eingerichtet werden, die die
Grundlagen für eine mittelfristige Kulturentwicklungsplanung erarbeitet. Die Ergebnisse seien
auf der nächsten Kulturkonferenz vorzustellen.

Nachtrag: Unter www.kultur-in-westfalen.de ist jeder eingeladen, sich an der Diskussion
über die Kulturentwicklungsplanung zu beteiligen.

Impuls

Ute Schäfer, Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-
Westfalen, erläuterte unter dem Titel „Stadt, Region, Land – Aufgaben und Ziele der Landeskulturpolitik“
Eckpunkte für die Kulturpolitik in den kommenden Jahren. Neben den Finanzen
hob sie den demografischen Wandel als wichtige Herausforderung hervor.
Die Ministerin appellierte, nicht an der Kulturförderung zu kürzen. Den Ruf der künstlerischen
Qualität müssten die Kulturregionen in Westfalen und Lippe verteidigen und weiter stärken,
so die Ministerin. Solange man diesen Ruf künstlerischer Unbestechlichkeit besitze, würden
die Kunstkenner nah und fern mit Spannung auf die Kulturszene in Westfalen blicken. Es
gelte auch die künstlerische Vielfalt zu erhalten. Dies könne nur gelingen, wenn die Kommunen,
Kommunalverbände und das Land mit gutem Vorbild vorangehen und an einem kulturpolitischen
Strang ziehen.
Für die Gründung einer Stiftung zum Erhalt der Burg Hülshoff für die Öffentlichkeit sagte die
Ministerin ihre Unterstützung zu, machte angesichts der aktuellen Haushaltslage aber keinerlei
finanzielle Zusage.

Impuls

Dr. Narciss Göbbel, Referent für Kulturplanung und kulturelle Stadtentwicklung beim Senator
für Kultur, Bremen, lieferte den fachlichen Hintergrund. In seinem Beitrag „Regionale Kulturentwicklungsplanung
als Instrument und Kommunikationsplattform“ erläuterte er methodische
und strategische Herangehensweisen sowie Ziele, Möglichkeiten und Gefahren von
Kulturentwicklungsplanung. Insbesondere zeigte er auf, wie mit Hilfe der auf solche Weise
einsetzenden Kommunikation Kunst und Kultur langfristig gesichert werden können.

Wer Interesse an der schriftlichen Fassung des Vortrages hat, möge sich ab Mai 2011 an
das Projektteam wenden. Kontakt: 0251 591-3506 oder kultur-in-westfalen@lwl.org.

Podiumsdiskussion: „Westfalen – Kulturland mit Zukunft“

Vier Leitfragen gab es: Wo stehen wir und wo wollen wir hin? Warum gemeinsam handeln?
Warum brauchen wir einen Kulturentwicklungsplan? Was bedeutet uns „Westfalen“?
Es diskutierten: Markus Lewe, Oberbürgermeister der Stadt Münster; Wolfgang Hölker, Vorstandsvorsitzender
der Stiftung Westfalen-Initiative; Dr. Barbara Rüschoff-Thale, LWLKulturdezernentin;
Dirk Glaser, Geschäftsführer der Südwestfalen Agentur/Regionale 2013;
Roland Nachtigäller, Künstlerischer Direktor Marta Herford; Dr. Narciss Göbbel, Referent für
Kulturplanung und kulturelle Stadtentwicklung beim Senator für Kultur, Bremen.
Ergebnis: Die Podiumsgäste beleuchteten die verschiedenen Aspekte entlang der vier Leitfragen.
Sie waren sich einig, dass gerade angesichts der regionalen, fachlichen und organisatorischen
Unterschiede ein Kulturentwicklungsplan für Westfalen-Lippe eine sinnvolle und
notwendige Grundlage für gemeinsames Handeln darstellt; als persönliche Erwartungen
nannten sie vor allem Chancen für Kommunikation und Perspektiven für das eigene Tun, vor
allem hinsichtlich von Verlässlichkeit, sowie den Wunsch nach Verbindlichkeit.

Nachmittag: Literaturland Westfalen

Vortrag

Michael Serrer, Leiter des Literaturbüros NRW in Düsseldorf und Vorsitzender des Literaturrates
NRW, gab in seinem Beitrag „Westfalen ein Literaturland?!“ einen Abriss der Geschichte
und der Besonderheiten der literarischen Landschaft Westfalen-Lippes.
Bericht
Eva Maaser, Vorsitzende des NRW-Verbandes deutscher Schriftsteller in ver.di, Landesverband
NRW, stellte die Ergebnisse der ersten Tagung der Arbeitsgemeinschaft Literatur am
13.1.2011 in Hamm vor.
Am 13.1.2011 hatten sich 80 Literaturakteure aus ganz Westfalen-Lippe, von Autoren über
Veranstalter, Vereine und Gesellschaften bis zu Bibliotheken und Verlagen in Hamm getroffen.
Dazu waren etliche Literaturakteure aus dem Rheinland der Einladung gefolgt.
Auf dem Programm am Vormittag stand die Diskussion über ein „Literaturzentrum NRW“.
Unter Beteiligung namhafter externer Experten wurden drei Leitfragen diskutiert und grundsätzliche
Antworten gefunden, nämlich zu den Kernaufgaben einer solchen Einrichtung, ihrem
Verhältnis zu den schon bestehenden literarischen Orten und Aktivitäten in NRW sowie
ihre Profilierung über NRW hinaus. Auf der Basis der Ergebnisse und der bereits vorhandenen
Konzepte und Materialien wird nun eine kompetente Person für die weitere Konzeptentwicklung
gesucht. Neben den Literaturakteuren sind die weiteren am Gesamtprojekt Beteiligten
in diesen Prozess einzubinden.
Aus den fünf Workshops am Nachmittag, die das literarische Potenzial Westfalen-Lippes
sowohl auf operativer als auch strategischer Ebene untersuchten, erwuchs zum Einen der
Wille zu einer gemeinsamen Veranstaltung in der Region, mit Starterfunktion für ein nachhaltiges
gemeinsames Auftreten und möglichst schon im Jahr 2012. Ein Treffen der potenziellen
Partner zur Konkretisierung findet am 13.4.2011 in Hagen statt.
Zum Anderen stieß die Idee von Prof. Dr. Walter Gödden (Literaturkommission für Westfalen)
und Dr. Michael Kienecker (mentis Verlag) für eine Web-2.0-basierte Kommunikationsplattform
spontan auf große Zustimmung. Das Portal soll im Kern aus einem social-network
und einer Art online-Magazin bestehen. Bei einem Treffen am 2.3.2011 in Oelde wurde das
Projekt weiter konkretisiert, in weiteren Gesprächen muss nun zunächst die Finanzierung
sichergestellt werden.

Bericht

„Wer fährt denn schon nach Düsseldorf?“ In Anlehnung an einen Ausspruch von Annette von
Droste-Hülshoff berichtete LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale zum Schluss
über den aktuellen Stand zur Gründung einer Stiftung, mit der die Burg Hülshoff, das Geburtshaus
der berühmtesten westfälischen Autorin, für die Öffentlichkeit erhalten werden soll.
Benötigt wird hierfür ein Kapital von rund 20,3 Millionen Euro. Es gibt die Überlegung, dass
dafür jeweils vier Millionen aus Erträgen der LWL-Kulturstiftung und vom Land NRW beigetragen
werden, die restlichen rund 12 Millionen sind bereits von Stiftern in Aussicht gestellt
worden. Dazu soll noch im Frühjahr 2011 eine Stifterkonferenz stattfinden.